
Die identische Route der Red&White Fleet.
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Will man einen ganz besonderen Ausblick auf San Francisco, Alcatraz und die Golden Gate Bridge
erleben, oder einfach nur frische Seeluft schnuppern und das Stadtpanorama in seiner vollen Länge bewundern, empfiehlt
sich eine Schiffsrundreise in der San Francisco Bay. Zwei Reeder bieten diese Rundfahrt an, die Blue & Gold Fleet
zwischen Pier 39 und Pier 41 und die Red & White Fleet an Pier 43 1/2; zum gleichen Preis und die gleiche Route.
Wenn man Alcatraz besucht kann man sich dies freilich sparen denn die Anfahrt dorthin ist eine ähnliche Tour, allerdings
um das Stück bis zur Golden Gate Bridge gekürzt. Ansonsten ist die Rundfahrt wirklich sehenswert - bei gutem Wetter
versteht sich.

Ausfahrt aus dem Hafenbecken (335kb).
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Die schmale Hafenausfahrt teilen sich die Schiffe mit den Seelöwen (375kb).
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Wir entschieden uns bei unserem 2000er Urlaub für eben diese Bay Cruise am letzten Tag in San Francisco
vor unserer Weiterreise zum Yosemite Nationalpark. Zwischen Pier 39 und Pier 41 befindet sich die Anlegestelle der Blue
& Gold Fleet, die dadurch für uns näher gelegen und somit günstiger war. An einem kleinen Büdchen erwarben wir für
17 Dollar pro Person (18 bis 28 Dollar in 2014, gestaffelt nach Alter) eine Fahrkarte und reihten uns in die lange
Schlange der geduldig wartenden Mitreisenden ein. Alle waren typische Touristen: Sonnenbrille, Fotoapparat, meist kurze
Hose und T-Shirt. Nach zehn Minuten legte die Fähre an und wir gingen über eine steile Rampe bei strahlendem
Sonnenschein an Bord der blau-gelb-weiß gestreiften Fähre. Das Boot - schon älteren Jahrgangs - war ziemlich voll,
dennoch gelang es uns, einen günstigen Platz am Heck des Schiffes zu ergattern, von wo aus wir eine hervorragende und
vor allem freie Sicht hatten. Der Nachteil dieser Position war leider, dass wir aufgrund der Fahrgeräusche den
Reiseführer über die Lautsprecher nicht verstehen konnten. Aber die Aussicht war uns wesentlich wichtiger. Nach
langsamer Fahrt durch das Hafenbecken, vorbei an den Seelöwen und von knipsenden Touristen auf den Piers flankiert,
fuhren wir zunächst an der Stadt vorbei Richtung Golden Gate Bridge.

Einer unserer Reisebegleiter.
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Einige Möwen hatten sich zu uns gesellt und begleiteten das Schiff fliegend bis zur Brücke.
Vermutlich werden sie von den Reisegästen gefüttert und haben sich schon an diese günstige Nahrungsquelle gewöhnt. Wie
man auf dem Foto sehen kann scheuen die Möwen nicht den Kontakt zum Menschen und fliegen in Schlagweite und bei gleicher
Geschwindigkeit wie das Boot. Dabei inspizierten sie uns genauso intensiv wie wir sie, nur geknipst hat uns keine...

Fishermans Wharf mit Coit Tower und Transamerica Pyramid (264kb).
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Die Skyline San Franciscos beim Aquatic Park (291kb).
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Nach der Ausfahrt aus dem Hafenbecken kann man zunächst bei der Linksdrehung des Bootes zum Bay-Eingang
hin, also Richtung Golden Gate Bridge, rechterhand die Oakland Bay Bridge mit Treasure Island sehen. Auf der langen
Fahrt zum Golden Gate kann man nun vom Schiff aus deutlich die Skyline und die schnurgeraden und parallel verlaufenden
Straßenzüge der Stadt bewundern, die sich in der Vorbeifahrt nacheinander der Länge nach öffnen und so den hügeligen
Untergrund der Stadt sichtbar machen, den man an der Skyline so nicht immer erkennen kann. Die Stadtbezirke Fishermans
Wharf mit den Piers und Telegraph Hill im Hintergrund, Aquatic Park und Ghirardelli Square mit dem Russian Hill
dahinter, Fort Mason Center, Marina Green und schließlich der unbebaute und grüne Presidio zogen langsam und beschaulich
an uns vorüber während uns die frische Seeluft um die Nase strich. Reizvoll wirkte die Takelage der historischen
Segelschiffe des National Maritime Historic Parks vor der modernen Architektur der Großstadt. Dann rückte San Francisco
immer weiter in die Ferne und wir kamen zur Golden Gate Bridge.

Die südliche Golden Gate Bridge im Gegenlicht (360kb).
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Blick auf die Marin Headlands und Sausalito (256kb).
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Einzigartig ist die Sicht auf die rote Metallkonstruktion, die man bei der Unterquerung detailliert
von unten betrachten kann. Unzählige Streben und Röhren bilden das Fundament der breiten Fahrbahn. Linker Hand sieht
man Fort Point unter dem südlichen Brückenpfeiler, und schon waren wir einige Meter in den Pazifik vorgedrungen. Kurz
hinter der Brücke drehte das Schiff um und fuhr wieder in die Bay zurück, nun aber auf etwas nördlicherem Kurs. In der
Ferne rückte nun das in den Hang gebaute Sausalito und die San Pablo Bay mit Angel Island in unser Sichtfeld. Die
gesamte Bay wimmelte nur so vor kleinen Segelschiffen und Yachten, deren Besitzer das gute Wetter zu einem Segeltörn
ausnutzten. Zurückblickend bot uns die Golden Gate Bridge vor dem im Sonnenlicht schimmernden Pazifik ihre volle
Breitseite, und einige unerschrockene Surfer und Segler kreuzten unser aufgewühltes Fahrwasser. Ein kalter Wind blies
uns nun von Seeseite ins Gesicht, doch wenn man sich aus dem Wind drehte sorgte die Sonne wieder für die nötige
Wärme.

Alcatraz von der weniger bekannten Rückseite (372kb).
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Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir die Nordseite von Alcatraz. Hier drosselte das Schiff wieder
seine Fahrt, damit alle in Ruhe die Insel von der der Stadt abgewandten, schattigen Seite betrachten konnten. Der
Wasserturm, der Gefängnistrakt, die Kapelle und die Verwaltungsgebäude - alles war gut zu erkennen denn wir fuhren
keine hundert Meter von der Insel entfernt. An der Anlegestelle lag bereits ein Boot vor Anker, und ein weiteres der
Konkurrenz folgte uns in sehr geringem Abstand. Irgendwie war der Anblick schon beklemmend und ich war doch froh, die
Bay Cruise der Alcatraz-Besichtigung vorgezogen zu haben. Ich konnte der kahlen Insel mit der schmucklosen
Beton-Bebauung einfach nichts Schönes abgewinnen, aber das ist Geschmackssache. Bis 2007 sollte es dauern, bis ich
hier meinen Fuß an Land setzte.

Blick zurück mit mutigem Segler (372kb).
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Nachdem wir Alcatraz hinter uns gelassen hatten erreichten wir schließlich wieder die Hafeneinfahrt.
Zwischen dem Panoramarestaurant Bubba Gump und Forbes Island fuhren wir Richtung Anlegestelle. Ein rund
eineinviertelstündiger Ausflug ging zu Ende. 17 Dollar waren zwar eigentlich recht teuer, aber gelohnt hat sich dieses
kurze Intensiverlebnis meiner Meinung nach trotzdem.
(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten
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