![]() ![]() Zwanzig nach vier: ich bin auf Alcatraz (124kb). |
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![]() ![]() Der Wharf Tower vor dem Guardhouse am Dock (253kb). |
![]() ![]() Gleicher Ort, übliches Wetter (156kb). |
![]() ![]() Building 64 mit Wardens House und Leuchtturm (312kb). |
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![]() ![]() Save the Rock Ausstellung (263kb). |
![]() ![]() Der Parade Ground oberhalb des Docks (226kb). |
![]() ![]() Die East Road windet sich zum Cellhouse empor (311kb). |
Auf der Wand kann man noch den handgeschriebenen Schriftzug "Indians welcome" und "Indianland" erkennen; Relikte aus der indianischen Besetzung der Insel von 1969 bis 1971. Eine kleine Ausstellung mit dem schönen Namen "Save the Rock" empfängt die Besucher an diesem Ausgangspunkt einer jeden Besichtigung. Es war schon zwanzig nach vier, also verzichteten wir auf die Ausstellung und machten uns direkt auf den Weg hinauf zum eigentlichen Gefängnis. Dazu folgt man der East Road rechts am Wohnblock vorbei. Diese führt zunächst unter der Treppenüberführung zum genannten Außenflur des Building 64 hindurch und schließlich zu einem Torgebäude. Das Stopp-Schild neben dem Torbogen wirkt etwas befremdlich, wo doch hier vermutlich nicht allzu viel Straßenverkehr stattfand. Bereits hier fällt einem auf, dass es überall höher gelegene Gänge und Standorte gibt, von denen aus man die Stelle, an der man sich gerade befindet, bestens einsehen kann. Nahezu kein Fleckchen auf der kleinen Insel blieb unbewacht und uneinsehbar.
Wir betraten das Guardhouse von 1857. Es ist das älteste noch vorhandene Gebäude auf der Insel; ein lang gezogener Steinbau in T-Form, den man auf seiner vollen Länge durchschreiten muss. Diese Passage wird auch Sally Port genannt. Das Erdgeschoss besteht quasi nur aus dem Tordurchgang und zwei kleinen Zimmern am hinteren Ende. Finster ist es in dem Bau, es gibt keine Fenster, und eine nur spärliche Beleuchtung soll wohl das düstere Ambiente von einst bewahren. Auf der linken Seite parkte ein alter grüner Chevrolet-Transporter mit Pritsche, der sich angesichts der salzigen Luft in erstaunlich gut erhaltenem Zustand präsentierte - jedenfalls äußerlich. Schaut man, wie auf dem Foto im Radkasten sichtbar, unter den Wagen, findet man vermutlich keine einzige rostfreie Stelle. Jedenfalls kannten wir jetzt das Vehikel, weswegen wohl das Stopp-Schild seine Daseinsberechtigung hatte. Früher gab es freilich noch mehr Fahrzeuge, ja sogar einen Feuerwehrlöschzug. Bei gutem Wetter steht der Chevrolet übrigens auch gerne direkt am Dock als Blickfang. Das Guardhouse ist sozusagen seine Garage; der Name passt ja.
![]() ![]() Modell des Fort Alcatraz (173kb). |
Die angesprochenen beiden Räume im Torhaus beherbergen Interessantes. Zur rechten Seite kann man ein Modell der Insel bewundern, wie sie zur Zeit der militärischen Nutzung 1865 bis 1868 aussah. Man wundert sich über die wenigen Gebäude und die vielen Kanonen; vor allem, weil die fast alle der Stadt zugewandt sind. Zwei Kanonenkugeln kann man hier ebenfalls bestaunen. Die sehen allerdings aus wie ganz normale Bowling-Kugeln, mit Löchern zum Anpacken. Zuerst dachte ich, es wären Sträflingskugeln, wie man sie aus Filmen kennt. Eine hölzerne Bodenklappe im Raum führt zu einem gemauerten Zellenraum, in dem 1859 die ersten elf Gefangenen des Militärs eingesperrt wurden. Als im Verlauf des Amerikanischen Bürgerkriegs die Zahl der Insassen stark anstieg, errichtete man eine Holzbaracke gleich hinter dem Guardhouse, das 1867 wieder abgerissen und durch das heutige angrenzende Steinhaus an der Hügelseite ersetzt wurde. Im gegenüberliegenden Raum befindet sich eine vermutlich modernere 24-Pfünder Haubitze auf einer Holzlafette. Durch einen Schacht kann sie den Gang durch das Torhaus der Länge nach unter Feuer nehmen und so Ausbrecher oder Angreifer abwehren; sie wurde, soweit ich es recherchieren konnte, nie an dieser Stelle genutzt.
![]() ![]() Treppe zwischen Guardhouse und Electric Shop (260kb). |
![]() ![]() Giebel am Querbau des Guardhouse (154kb). |
![]() ![]() Der ausgebrannte Officers Club (169kb). |
![]() ![]() Rückseite des Guardhouse (195kb). |
![]() ![]() Weiter gehts bergauf (197kb). |
![]() ![]() Oben sieht man das Wardens house, den Leuchtturm und das Cellhouse (407kb). |
Wir machten eine Linkskehre und stiegen weiter den Hügel empor. Nun befindet man sich oberhalb des Torhauses, wo sich der Weg teilt. Weiter bergan heißt die Devise, und es geht wirklich ganz schön steil hinauf. Für ältere und behinderte Touristen gibt es daher ein batteriebetriebenes Shuttle, das regelmäßig zwischen Dock und Cellhouse pendelt. Auf der linken Seite kann man den wohl spanisch angehauchten, geschwungenen Giebel des Querbauses auf dem Torgebäude bewundern. In Beton wirkt das Ganze freilich nicht besonders wertvoll. Man passiert einen "Electric shop" und hat nun oberhalb des Wohnhauses der Wächterfamilien einen schönen Ausblick auf den Wharf Tower, der die Schiffsanlegestelle überwachte. Ursprünglich waren sechs solcher Wachtürme auf Alcatraz vorhanden und rund um die Insel verteilt. Heute existiert jedoch nur noch dieser eine. Mit seinem kleinen roten ziegelgedeckten Dach wirkt er irgendwie ausgesprochen fotogen.
![]() ![]() Gebäudereste am Parade Ground (371kb). |
![]() ![]() Möwen sind die neuen Bewohner des Parade Ground; hier auf dem Guardhouse (197kb). |
![]() ![]() Auch andere Vögel fühlen sich hier wohl (166kb). |
Der Weg macht nun eine Rechtskehre. Würde man hier geradeaus weitergehen - sofern dieser Bereich nicht abgesperrt ist - käme man zum Parade Ground, einem großen betonierten Platz, der das östliche Ende der Insel abdeckt. Wie der Name vermuten lässt, fanden hier die militärischen Appelle statt. Einst war der Platz umgeben von Gebäuden, in denen zwischen 1940 und 1963 zwischen 60 und 80 Familien der Offiziere lebten. 1971 wurden die Gebäude abgerissen, und bis auf einige sichtbare Überreste eines Hauses ist nur noch etwas Schutt übrig geblieben. Des einen Leid, des anderen Freud: in den Sommermonaten ist hier nun ein Nistplatz der Westmöwen (western gulls), die jedes Mal rund 500 Nester anlegen und ihre Jungen großziehen. Wir bleiben noch einen Moment an der Wegkehre stehen. Eine Steintreppe windet sich an der Wegkehre den steilen und dicht bewachsenen Hügel hinauf zum Gefängnistrakt, den man nun schon deutlich sehen kann. Doch angekommen sind wir noch lange nicht. Es geht also weiter bergauf, diesmal nach Nordwesten bis zur nächsten Serpentine. Hier zieht jedoch der große Wasserturm die Aufmerksamkeit auf sich, der vor einem aus dem Dunst auftaucht, und beim zweiten Hinsehen vor allem gleich links daneben ein auf der Ecke der Außenmauer des höher gelegenen Gefängnishofs aufgesetzter Stahlkäfig, wie man ihn von den drei Käfigen für die hingerichteten Anführer der Wiedertäufer (1536) an der Lamberti Kirche in Münster her kennt. Ein beachtenswertes Detail ist auch die völlig weggerostete Stützstrebe des Käfigs. Das aggressive Klima der salzhaltigen Luft war nicht zuletzt ein entscheidender Grund für die Schließung von Alcatraz. Noch ein Wort zum Wasserturm: er wurde 1939 errichtet und fasst 950 Kubikmeter Wasser, welches hauptsächlich für die Wäscherei verwendet wurde. Rechts unterhalb des Wasserturms fällt der Blick auf ein Gebäude mit Schornstein. Der vordere Gebäudeteil ist das QM & Comm Warehouse (Building 79). Der Schornstein gehört zum dahinter liegenden Elektrizitätswerk (Building 67).
![]() ![]() Wharf Tower am Dock (218kb). |
![]() ![]() Rückseite von Building 64 (300kb). |
![]() ![]() Hier verlassen wir die East Road (266kb). |
![]() ![]() Wasserturm mit Käfig und WC (146kb). |
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![]() ![]() Warehouse und E-Werk (154kb). |
![]() ![]() Leichenhalle mit Notstromaggregat (281kb). |
Wir hatten beim Gang auf den Wasserturm zu die East Road verlassen, die zum Haupteingang des Zellentraktes gegenüber des Leuchtturms, also zur Westseite des Cellhouse, führt. Würde man der East Road noch bis zu ihrem Ende folgen gelangte man zunächst vorbei an drei Ruinen. Dies waren einst die Offizierswohnungen. Gleich dahinter auf der Ecke des Weges ragt eine größere Ruine empor. Es ist das alte Haus des Gefängnisleiters (Building 76), erbaut 1929. Einst hatte es 17 Räume und war ursprünglich die Unterkunft des Militärkommandanten gewesen. Als Alcatraz ein Gefängnis wurde, zog hier der erste Anstaltsleiter James A. Johnston ein. Berühmt war es wegen seines tollen Ausblicks auf die Skyline von San Francisco. Besonders situierte Gefangene durften hier - quasi als sehr frühe Form der Resozialisierung - für den Leiter kochen und im Haushalt aushelfen. Zur Ruine wurde das Haus 1970 durch einen Brand. Es befindet sich direkt neben dem Leuchtturm. Beides sollte ich später noch aus dem Cellhouse heraus betrachten können, denn gegenüber des Leuchtturms befindet sich der eigentliche Haupteingang des Gefängnisses.
Stattdessen gehen wir nun einen Nebenweg empor zum seitlichen Eingang des Zellentraktes. Doch zunächst gibt es an der Mauer des Gefängnishofes an der süd-westlichen Seite ein kleines vorgelagertes Gebäude mit verschlossener Türe und Glasscheibe. Der Blick hindurch zeigt einen dachlosen Raum, in dessen hinteren Teil ein großer Generator geschützt unter einem Betonbogen steht. Der Raum wurde als Leichenhalle genutzt. Während der Militärzeit wurden die verstorbenen Soldaten bis in die frühen 1900er auf dem Militärfriedhof auf Angel Island beigesetzt, danach auf dem Nationalfriedhof des Presidio in San Francisco. Verstorbene Gefangene wurden den hinterbliebenen Familien zur Bestattung übergeben. Der erwähnte Generator wurde 1934 als Notstromaggregat für das Gefängnis installiert.
![]() ![]() Der letzte Anstieg mit Wasserturm im Nebel (207kb). |
![]() ![]() Die nordöstliche Seite des Cellhouse (216kb). |
![]() ![]() Hier beginnt die Audio Tour (221kb). |
Ein letzter kurzer Anstieg und man befindet sich vor dem "Alcatraz Federal Penitentiary", so der vollständige Name der Justizvollzugsanstalt. Der Zellentrakt (Building 68) auf dem höchsten Punkt der Insel ist mit einem übermannshohen Maschenzaun umgeben. Das Gebäude selbst ist sandfarben angestrichen, hat verständlicherweise vergitterte Fenster, und an der Dachkante ragen zahlreiche Lampenmasten heraus, die den umschließenden Platz gut ausleuchten. Einige Sitzbänke laden zum Verweilen ein, was angesichts der tristen und bedrückenden Umgebung nicht besonders viel Freude bereitet. Wir betreten den Zellentrakt durch eine massive Stahlgittertüre, den Schildern zur Audio Tour folgend.
(c) Stefan Kremer - Alle Rechte vorbehalten
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